Geschäftiges Treiben herrscht an diesem Nachmittag in den Räumen der ehemaligen „Max Rieple“-Apotheke. Die Vorbereitungen für die fairen Weihnachtswochen laufen derzeit auf Hochtouren. Mit von der Partie ist Christa Maria Zimmermann, die mit ihren „zwei Siebenern im Alter“, wie sie augenzwinkernd erzählt, wohl die Älteste der Aktiven des Vereins ist. Mit strahlendem Gesicht zeigt sie auf kunstvoll gearbeitete Taschen aus einstigen Fischernetzen sowie kunterbunte Seidenschals aus indischen Saris. Das sorgfältig ausgewählte Sortiment reicht von fair produziertem Kunsthandwerk bis hin zu Nahrungsmitteln. Begeisterung für die hochwertigen Produkte aus vielen Ländern der Erde ist hier Programm – genauso wie das Engagement der Mitglieder.

Ehrenamtliches Geschäftsmodell

Fand 1980 der erste Warenverkauf zugunsten der guten Sache noch im einstigen Jugendraum der evangelischen Kirche statt, ist die heutige Adresse mit seinen schmucken Geschäftsräumen längst zur festen Anlaufstelle für viele Kunden und Kundinnen auch von außerhalb geworden. „Wir sind ein gemeinnützig anerkannter Verein und arbeiten alle ehrenamtlich“, bringt Rike Boos selbstbewusst das Geschäftskonzept auf den Punkt. „Jeder Cent, der hier erwirtschaftet wird, fließt in die von uns unterstützten Projekte. Um die Verteilung von Almosen mit der Gießkanne gehe es aber nicht, sagt Ulrike Bräuer-Higel. „Wir schauen genau hin, um sicher zu sein, dass die Spenden eins zu eins dort ankommen, wo sie sollen.“

Bildungschancen gegen Fluchtursachen

Vor allem die Bekämpfung von Kinderarbeit liegt dem Verein am Herzen. Mit dem Erlös des zweimal jährlich stattfindenden Mango-Verkaufs wird unter anderem der Bau von Bildungsstätten in Burkina Faso gefördert. Weitere Projekte wie beispielsweise „Asante Sana Tanzania“, „Elimu4Afrika“ oder Pide-Kaffee unterstützen kleine Bauernfamilien, um damit deren Grundeinkommen zu sichern sowie die dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. „Wenn Kinder zur Schule gehen können und eine Ausbildung absolvieren, haben sie später vielleicht eine Chance, direkt vor Ort etwas für ihr Land zu tun“, sagt die erste Vorsitzende des Vereins, Heidrun Hog-Heidel, die in mangelnden beruflichen Perspektiven eine der Hauptursachen von Flucht sieht.

Nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit

Rund fünfzig weibliche Mitglieder zählt der Verein, sagt Heidrun Hog-Heidel und lacht. Männer seien aber jederzeit willkommen, betonen die Damen. Wie überall sucht man auch hier nach helfenden Händen. „Wie viel Zeit jeder oder jede investieren möchte, ist frei wählbar. Wir haben kein starres Schema und organisieren uns selbst“, wirbt Bräuer-Higel charmant für neue Helfer.

Die Wertschätzung für die Arbeit des Vereins sei in den vergangenen Jahren sehr gestiegen, berichtet sie. Immer wieder gehe es auch darum, das Bewusstsein zu schärfen. Wo und unter welchen Bedingungen werden unsere Nahrungsmittel oder Textilien produziert? Im wahrsten Sinne des Wortes geht es um den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Die Damen leisten Aufklärungsarbeit, wo immer sie können. „Kunden, die das Prinzip des fairen Handels erst einmal verstanden haben, kommen immer wieder hierher“, sagt Rike Boos. Mit ihrem Engagement haben die Frauen schon viel erreicht. Stolz ist man auch darauf, dass stets ein Mitglied des Vereins im Lenkungsausschuss der Stadt sitzt, die seit 2020 das Fair-Trade-Siegel trägt. Und wenn Ulrike Bräuer-Higel bescheiden davon spricht, dass der Verein nur einen kleinen Teil politischer Arbeit zu leisten vermag, ist auch dieser schon längst eines geworden: unverzichtbar.