Auf der Suche nach einem Kinderarzt bleibt den kleinen Patienten nur der Weg nach Freiburg übrig, weil es schlechthin nicht eine einzige Kinderarztpraxis in der Region gibt. Ähnlich mau sieht es bei der übrigen allgemein medizinischen Versorgung aus. Wie sehr auch gelockt wird, es bleibt vergebens. Die Ärzte ziehen eine Stadtpraxis dem praktizieren auf dem Land vor. So hat Friedenweiler den roten Teppich ausgelegt und sucht bisher ohne Erfolg. Trotz Bau einer neuen Arztpraxis, findet der emsige Bürgermeister keinen Nachfolger für die aus Altersgründen aufgegebene Arztpraxis im Ort.

Podiumsdiskussion

Bei einer Podiumsdiskussion der SPD Hochschwarzwald in Friedenweiler zu der SPD-Frau Tanja Kühnel aus Löffingen den SPD-Landtagsabgeordneten Florian Wahl, Vorsitzender Ausschuss Soziales, Gesundheit und Integration eingeladen hatte, nahmen Politiker, Ärzte und Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) sowie interessierte Zuhörer teil, um sich mit der ärztlichen Notstandslage zu beschäftigen. Dabei zeigte sich deutlich die prekäre ärztliche Versorgung auf dem Land.

Gemeinden zu klein

Susanne Bublitz, Hausärztin in Öhringen und stellvertretende Vorsitzende der Hausärzte Baden-Württemberg, betonte, dass das Problem überall auf dem Land gleich sei. „Gemeinden wie Friedenweiler sind zu klein für eine eigene Praxis“, meinte sie und führte an, dass sie in ihrer Landpraxis deshalb mit zwei weiteren Ärzten arbeite. Die Zeit der Hausarztpraxis in der die Ehefrau mitarbeite und in einer 60 Stunden Woche 2000 Patienten versorge, sei ein Auslaufmodell“, sagte sie weiter. Die Ärzte arbeiten 20 bis 30 Prozent weniger, deshalb benötige man jetzt drei Ärzte, wenn zwei in den Ruhestand gehen.

Weniger Kassenärzte

„Kommunen sollten am besten einen Rahmen schaffen und sich zusammenschließen, damit niedergelassen Ärzte in der Heimat eine Bleibe finden“, appellierte Ilka Latuske von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. “Wir werden nicht mehr jede Kommune versorgen können“, verdeutlichte sie. „Die Zahl der Ärzte habe zwar zugenommen aber dennoch habe man weniger Kassenärzte anzubieten, weil die Ärzte in die Zentren wollen“, sagte Stefan Leutzbach, Säckinger Radiologe und Vertreter der (KVBW). Entscheidungsfaktoren für die Stadt, seien soziale Strukturen, Schulen, ein besserer Nahverkehr und attraktive Kulturangebote. Vielleicht könnte man mit schneller verfügbaren Kindergartenplätzen oder mit dem Argument, eines geringeren Konkurrenzdrucks aufs Land locken, riet er den anwesenden Bürgermeistern zu argumentieren.

Förderprogramme notwendig

Auf die Bedarfsplanung im Rahmen der Niederlassung von Ärzten und dem sich immer mehr verstärkenden ländlichen Ärztemangel verwies Latuske von der KVBW. „Es gibt keine gesperrten Bereiche mehr; leider hat das nicht funktioniert“, bedauerte sie. Deshalb müsse man mit Förderprogrammen wie „Ziel und Zukunft „arbeiten, damit sich die Ärzte wieder in bestimmten Regionen niederlassen. Schon jetzt bekämen Ärzte für die Weiterbildung 5000 Euro Zuschuss und in Fördergebieten sind 85 000 Euro Zuschuss für Praxiseröffnungen ausgewiesen“, informierte Bublitz. Allerdings sei dieser Anreiz nicht ein alleiniger Aspekt.

Neuanfang in Titisee-Neustadt

Das Freiburger Ärzte-Team Steffen Schneider und Mathias Kleinen, die im Januar eine chirurgische Praxis in Neustadt eröffnen, lassen sich bewusst auf eine Praxis auf dem Land ein. „Wir haben uns selbst hier hochgebracht und fanden die Praxis hier oben sehr attraktiv“, erklärten die beiden Ärzte, die einige Jahre Klinikerfahrung mitbringen. „Eine Praxis muss sich schon lohnen, aber wir sind Ärzte vom Herzen“, verdeutlichten sie übereinstimmend. Dabei bauen sie auf viel Unterstützung sowohl von Patienten als auch von der KVBW. An die Bürgermeister gewandt meinte Kleinen: „Lassen Sie die Türen weit auf, wenn Ärzte mit Fragen und Bitten zu Ihnen kommen.

Unzureichende Digitalisierung

Zur Sprache kam außerdem die Digitalisierung. „Wir haben die Digitalisierung nicht gut gemacht“; gab der SPD Landtagsabgeordnete Wahl zu. Als Problem habe sich dabei die Kommunikation zwischen Ärzten untereinander herausgestellt, was von Bublitz und bestätigt wurde. Noch nicht so richtig anerkannt sei beim Patienten die Internet-Sprechstunde. Hingegen können Laborbesprechungen gut über das Telefon gemacht werden. Für Bublitz liegt die Zukunft in größeren Einheiten, wie Medizinische Versorgungszentren, Gesundheitskioske und Gemeinschaftspraxen, die den Vorteil hätten, dass Praxen wegen Urlaub oder Krankheit nicht geschlossen werden müssen. Daneben forderte sie mehr Einbeziehung von medizinischem Fachpersonal. Gefordert wurden außerdem mehr Austausch und Kommunikation. Wahl forderte zudem eine regionale Gesundheitskonferenz.

Politik ist schuld

Das Fazit des Abends und den sich anschließenden Fragen, zeigte, dass es nicht unbedingt an den Ärzten liegt, sondern an der Politik, die einiges wie beispielsweise den Numerus Clausus aber auch eine Änderung der Bestimmungen für niedergelassene Ärzte auf dem Land tun muss, damit sich der Arztnotstand auf dem Land ändert. „Rettungsdienst, Pflegedienst und Apotheke ist Gesundheitsfürsorge und sehr komplex, und hier oben ist es ganz anders als unten in Freiburg“, meinte der Hochschwarzwälder Sozialstationsleiter Achim Gauger. Politik „tu was“ forderte er und brachte es auf den Nenner. „Zitat“ von Norbert Brugger, Exbürgermeister von Löffingen und SPD-Kreisrat: „Bis wir mit dem Auto in Freiburg sind, besonders im Winter, haben sie sich das Bein gebrochen oder sind schon dreimal tot“.