Manchmal ist es dieser eine, besondere und vor allem letzte Wunsch, der Menschen am Ende des Lebens noch beschäftigt und umtreibt. Noch einmal am Meer den Sand zwischen den Zehen spüren, ein Familienfest, ein Fußballspiel des Lieblingsvereins, den Ort des Kennenlernens mit dem Partner besuchen oder an einen Platz reisen, an dem der glückliche Momente des Lebens war. Oder es gibt sogar eine sogenannte „Löffel-Liste“ oder „Bucket-List“ mit einer Aufzählung all jener Dinge, die alte oder schwerkranke Menschen noch erleben möchten, bevor sie endgültig gehen müssen.

Medizinische Betreuung

Immer wieder kommt es vor, dass sich solche Herzenswünsche ohne medizinische Begleitung nicht verwirklichen lassen. Und genau diesbezüglich möchte der Malteser Hilfsdienst Sigmaringen Abhilfe schaffen: mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen. Mit diesem lassen sich genau solche Wünsche tatsächlich realisieren. Rund 20 ausgebildete Malteser, die überwiegend hauptberuflich im Rettungsdienst tätig sind, haben sich bereit erklärt, Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr mit einem gewöhnlichen Personenwagen transportiert werden können, im Herzenswunsch-Krankenwagen an ihren Herzenswunsch-Ort zu begleiten – und das Ganze ehrenamtlich.

Einen letzten Wunsch erfüllen: darum geht es bei den Herzenswunsch-Fahrten, die der Malteser Hilfsdienst Sigmaringen anbietet.
Einen letzten Wunsch erfüllen: darum geht es bei den Herzenswunsch-Fahrten, die der Malteser Hilfsdienst Sigmaringen anbietet. Bild: Susanne Kerner/Malteser

Die Ortsgruppe in Sigmaringen schließt sich damit dem Bundesprojekt der Malteser an. Über dieses bundesweite Netzwerk können die Ehrenamtlichen ihre Erfahrungen austauschen. In Baden-Württemberg gibt es bereits rund 20 Herzenswunsch-Fahrzeuge. Das Projekt ist mit dem Hospizdiensten verzahnt. Weitere Herzenswunsch-Krankenwagen-Standorte sind in Freiburg, Nürtingen, Konstanz und nun eben auch Sigmaringen.

Im Fahrzeug ist ein Sitzplatz für eine Begleitperson aus dem familiären Umfeld des Gastes vorhanden. Weitere Familienmitglieder können den Gast mit dem eigenen Pkw auf seiner Herzenswunsch-Fahrt begleiten. Diese Aktion soll den Gast und seine Familie nichts kosten, denn der Herzenswunsch-Krankenwagen wird komplett aus Spenden finanziert und lebt vom Engagement der beteiligten ehrenamtlichen Malteser.

„Wir wollen das Projekt starten, um den Menschen eine Freude zu bereiten“, sagt Stefan Flohr, hauptamtlicher Rettungswachenleiter des Malteser Hilfsdienstes Sigmaringen. Im Ehrenamt koordiniert er mit Gabriela Lutz, die sich ehrenamtlich für den Kinder- und Jugendhospizdienst im Landkreis Sigmaringen engagiert, die Einsätze. Für dieses Angebot brauche es hochqualifizierte Rettungsdienstler und einen guten Hospizdienst im Hintergrund, so Stefan Flohr. Jede Herzenswunschfahrt wird von einem Fahrer und mindestens einem Rettungssanitäter begleitet. Je nach der medizinischen Anforderungen des Gastes kommen ein Notfallsanitäter und ein Arzt dazu.

Jede Fahrt wird von den Koordinatoren individuell geprüft und gestaltet, denn auch eine genaue Planung ist im Vorfeld wichtig und wird auf die Bedürfnisse des Gastes ausgerichtet. ES muss geklärt werden, wie nahe das Fahrzeug beispielsweise an den Bodensee, ans Meer oder an das Stadion heranfahren kann und wie der bewegungseingeschränkte Gast in das Gebäude oder die Sportstätte kommen kann.

Bedürfnisse berücksichtigen

Außerdem müssen die Bedürfnisse der Person, die transportiert wird, berücksichtigt werden, ob sie beispielsweise Sauerstoff oder eine Spezialmatratze benötigt und wie lange sie überhaupt sitzen kann. Der Herzenswunsch-Krankenwagen sei ein herkömmlich ausgestattetes Krankentransportfahrzeug, das auch für den Normalbetrieb genutzt werden könne, erklärt Fabian Vees, der Dienststellenleiter, der die hauptamtliche Arbeit der Sigmaringer Malteser betreut. Es sei jedoch nicht in den Regeldienst eingebunden und fehle dadurch an keiner Stelle.

Auch Prinz Albrecht von Hohenzollern, Stadt- und Kreisbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes, unterstützt das neue Angebot für den letzten Wunsch und letzte Fahrt eines kranken Menschen. Er ist für das Ehrenamt zuständig. Stefan Flohr koordiniert das Personal und das Fahrzeug für die Herzenswunsch-Fahrten. Er freut sich sehr über die Bereitschaft der 20 ehrenamtlichen Malteser, die beim Herzenswunsch-Krankenwagen mitwirken.

Im Mittelpunkt der Herzenswunsch-Fahrten steht immer der Gast, der an diesem besonderen Tag möglichst noch einmal viele glückliche Momente erleben kann. Die logistischen Voraussetzungen sind geschaffen, nun warten die Ehrenamtlichen auf die erste Einsatzfahrt.