Der Verein, der zudem in der European League spielt, reagierte mit dem Engagement auf die sportliche Talfahrt. Die Seewoche hat mit dem Mimmenhausener über die spontane Verpflichtung gesprochen und nachgefragt, warum er sich dazu entschlossen hat, wieder als Trainer zu arbeiten.

Herr Baur, Sie haben mit dem Engagement als Trainer bei FrischAuf! Göppingen für die Handball-Meldung in den vergangenen Wochen gesorgt. Wie kam es dazu?

Das war tatsächlich eine unglaublich kurzfristige Sache. Nach der Niederlage beim Bergischen HC hat am nächsten Tag mein Telefon geklingelt. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könne, FrischAuf! zu trainieren. Als ich fragte, ab wann denn, kam als Antwort: ab übermorgen. Es musste also alles ganz schnell gehen.

Aber Sie waren doch seit mehr als vier Jahren anderweitig beschäftigt…

Das stimmt. Ich habe sofort meinen Chef angerufen, der unglaublich reagiert hat. Es war ein unfassbar gutes Gespräch. Er meinte nur, wenn ich das machen wolle, dann solle ich das tun. Das war wirklich ganz groß. Wir werden selbstverständlich in Kontakt bleiben.

Der Handball-Weltmeister Markus Baur aus Mimmenhausen ist seit 30. November neuer Trainer bei FrischAuf! Göppingen.
Der Handball-Weltmeister Markus Baur aus Mimmenhausen ist seit 30. November neuer Trainer bei FrischAuf! Göppingen. Bild: Frisch-Auf!-Archiv

Und warum wollten Sie das machen?

Zum einen, weil es mich einfach wieder gereizt hat, an der Seitenlinie zu stehen und zum anderen, weil ich mit Göppingen so viele gute Erinnerungen aus meiner Vergangenheit verbinde und es für mich schon immer ein Traum war, bei FrischAuf! zu arbeiten.

Welche Erinnerungen, Sie haben doch nie für FrischAuf! gespielt?

Das ist wahr. Ich habe immer nur gegen FrischAuf! gespielt (lacht). Aber schon als Jugendlicher waren wir regelmäßig in Göppingen, wenn wir uns für das Oberschulamtsfinale qualifiziert hatten. Dann ist FrischAuf! mit Minden noch einer der ganz wenigen Traditionsvereine in der Bundesliga und hat eine der unglaublichsten Hallen überhaupt.

Warum?

Wenn die Halle in Göppingen voll ist und die Fans richtig loslegen ist es sicherlich einer der oder sogar die lauteste Halle in der gesamten Bundesliga. Da ist es dann für jeden Gegner schwer bei uns zu bestehen.

Der Handball-Weltmeister Markus Baur (hinten Mitte) aus Mimmenhausen ist seit 30. November neuer Trainer bei FrischAuf! Göppingen.
Der Handball-Weltmeister Markus Baur (hinten Mitte) aus Mimmenhausen ist seit 30. November neuer Trainer bei FrischAuf! Göppingen. Bild: Frisch-Auf!-Archiv

Wie schwer ist es für Sie, sich nach viereinhalb Jahren ohne Trainerposten wieder in den Alltag einzuleben?

Ich habe ja keine Zeit dazu (lacht). Nein, ernsthaft, ich war vielleicht aus dem Alltag draußen, aber erstens habe ich die Handball-Bundesliga verfolgt, zweitens war ich ja auch als Experte bei den Europa- und Weltmeisterschaften dabei und drittens habe ich in den vergangenen Jahren die Auffrischungs-Lehrgänge zur deutschen und europäischen Trainerlizenz absolviert. So weit weg bin ich also keinesfalls.

Aber der Alltag ist doch ein ganz anderer, oder?

Das auf jeden Fall. Jetzt sitze ich wieder deutlich häufiger vor dem Laptop und schaue Spiele unserer Gegner. Und ich muss viel schneller und viel mehr Entscheidungen fällen. Auch wenn ich aus dem Trainingsalltag raus war bin ich doch erstaunlich schnell wieder im Rhythmus (lacht).

Und dann feierten Sie Ihre Premiere mit dem unglaublichen Heimspiel gegen den HSV und einem Punktgewinn.

Das war tatsächlich unglaublich. Es war einfach alles im Spiel. Solche Spiele erlebst Du selbst als Profi nur ganz selten – und dann bei der Rückkehr als Trainer. Wir lagen sieben Tore zurück, dann sogar zwei Treffer vorne und am Ende gab es ein Remis und Standing Ovations von unseren Fans. Ganz ehrlich: nach dem Spiel wusste ich, was mir in den vergangenen Jahren gefehlt hat (lacht).

Der Handball-Weltmeister Markus Baur aus Mimmenhausen ist seit 30. November neuer Trainer bei FrischAuf! Göppingen.
Der Handball-Weltmeister Markus Baur aus Mimmenhausen ist seit 30. November neuer Trainer bei FrischAuf! Göppingen. Bild: Frisch-Auf!-Archiv

Im Spiel gegen den HSV gab es ein Wiedersehen mit Torsten „Toto“ Jansen als Trainer und Johannes Bitter im Tor beim HSV, mit denen Sie 2007 gemeinsam Weltmeister geworden sind. Wie war das?

Es war klasse. Schade nur für uns, dass Jogi Bitter an diesem Tag auch noch sehr gut gehalten hat (lacht). Nein, wir haben uns tierisch gefreut, uns mal wieder zu sehen.

Und das Wiedersehen geht weiter: In der Europa League spielen sie bei den Kadetten Schaffhausen. Dort waren Sie schon als Trainer aktiv. Gab es schon Kontakt?

Klar, der Geschäftsführer hat mir sofort nach meinem Engagement eine Nachricht geschrieben und gesagt, dass er sich freut, mich wiederzusehen. Aktuell sind ja nur noch drei Spieler aus meiner Zeit dabei, aber die Führungsriege kenne ich schon noch.

Was hat denn Ihre Familie dazu gesagt?

Ohne die, vor allem ohne meine Frau, wäre das Ganze natürlich auch nicht möglich. Wir haben darüber gesprochen und sie sagte, wenn ich es machen wolle, solle ich es tun.

Dann wird man Sie in der kommenden Zeit wieder deutlich seltener in Ihrer Heimat sehen?

Das wird definitiv so sein. Jetzt habe ich natürlich keine geregelte Fünf-Tage-Woche (lacht).

Markus Baur, Handball-Weltmeister von 2007 aus Salem-Mimmenhausen, ist seit 30. November Trainer bei Frisch Auf! Göppingen.
Markus Baur, Handball-Weltmeister von 2007 aus Salem-Mimmenhausen, ist seit 30. November Trainer bei Frisch Auf! Göppingen. Bild: Jäckle, Reiner

Wohnen Sie auch in Göppingen?

Nein, das ist logistisch kein Problem, da ich mit meiner Tochter im Remstal ja eine Wohnung habe. Von da aus sind es 35 Kilometer in die Halle. Das ist perfekt.

Welche Ziele haben Sie mit FrischAuf!

Kurzfristig wollen wir natürlich so schnell wie möglich aus der Abstiegszone, keine Frage. Ich hoffe, dass wir das dieses Jahr noch schaffen. Dann gibt es ja erst einmal eine WM-Pause im Spielkalender. In der Europa League sollten wir versuchen, in der Gruppe weit vorne zu landen, denn im Achtelfinale geht es gegen die starke Gruppe mit Flensburg-Handewitt.

Und im Frühjahr?

Da hoffe ich, dass wir in der Bundesliga wieder nach oben blicken können. Ich bin sehr zuversichtlich, da unsere beiden Langzeitverletzten Sebastian Heymann und Marcel Schiller, wenn alles normal läuft, wieder einsatzfähig sein sollten.

Wie lange läuft der Vertrag, den Sie unterschieben haben?

Ich habe unterschrieben bis zum 30. Juni 2024.

Die Fragen stellte Reiner Jäckle