Massive Angriffe auf kritische Infrastrukturen haben Odessa in Dunkelheit getaucht. Fast täglich gibt es Explosionen durch Drohnen. Die Millionenstadt ist immer wieder praktisch ohne Strom, Wasser und Heizung. Vor allem Strom wird aber dennoch planmäßig für mehrere Stunden durch Generatoren zur Verfügung gestellt. Es gibt aber viele Einwohner, die mehrere Tage ohne Strom sind.

Schwierige Stromversorgung

Die gute Nachricht: Die Einheimischen geraten nicht in Panik. Ganz im Gegenteil: Diejenigen, die Strom und Wasser haben, laden diejenigen ein, bei denen genau dies ausgefallen ist, damit sie ihre Geräte aufladen, duschen, einen heißen Tee oder einen Kaffee trinken können. Es gibt nur wenige Einrichtungen, die ununterbrochen mit Strom versorgt werden: Krankenhäuser gehören dazu. Wenn das Licht während einer Operation verschwindet, schaltet sich sofort ein Generator ein. Auch Kindergärten, Geschäfte, Restaurants und Apotheken beziehen Strom aus mobilen Generatoren.

Die meisten Kinder freuen sich über die Überraschungen, die sie in der Weihnachtszeit erhalten. Allerdings fällt es einigen aufgrund der extrem schwierigen Situation in Odessa schwer, selbst in dieser Situation zu lächeln.
Die meisten Kinder freuen sich über die Überraschungen, die sie in der Weihnachtszeit erhalten. Allerdings fällt es einigen aufgrund der extrem schwierigen Situation in Odessa schwer, selbst in dieser Situation zu lächeln. Bild: Nina Lyashonok

Sicherheitspunkte in Odessa

In der Stadt sind spezielle Sicherheitspunkte eingerichtet, an denen sich die Menschen während eines totalen Stromausfalls aufwärmen und ihre Geräte aufladen können. Trotz Krieg und schwierigen Bedingungen bereiten sich die Menschen darauf vor, Weihnachten und Neujahr zu feiern. Restaurants und Häuser sind dekoriert und immer wieder sind sogar Weihnachtsbäume aufgestellt.

„Ich habe eine Weihnachtstradition“, sagt Maryana aus Odessa. „Jedes Weihnachten esse ich einen Sandwich mit rotem Kaviar. Auch dieses Jahr werde ich ein Glas Kaviar kaufen und meinen Sandwich essen – auch wenn es in einem Luftschutzbunker ist.“ Die Menschen lassen sich auch im Krieg nicht entmutigen. Viele feiern zuhause mit einem Christbaum, den man auf der Straße kaufen kann. Einige Familien feiern zusammen und Kinder ziehen durch die Nachbarschaft von Tür zu Tür und singen Lieder. Das ist ein Brauch in der Ukraine.

Die meisten Kinder freuen sich über die Überraschungen, die sie in der Weihnachtszeit erhalten. Allerdings fällt es einigen aufgrund der extrem schwierigen Situation in Odessa schwer, selbst in dieser Situation zu lächeln.
Die meisten Kinder freuen sich über die Überraschungen, die sie in der Weihnachtszeit erhalten. Allerdings fällt es einigen aufgrund der extrem schwierigen Situation in Odessa schwer, selbst in dieser Situation zu lächeln. Bild: Nina Lyashonok

Zudem versuchen lokale Wohltätigkeitsorganisationen, die kostenlose oder kostengünstige Unterkünfte für Vertriebene suchen, vor allem den Kindern ein kleines bisschen ein Weihnachtsgefühl zu vermitteln. Eine davon ist die Organisation „NEXT Charitable“. Sie verteilt regelmäßig Lebensmittelpakete an Binnenflüchtlingsfamilien. Vor Weihnachten hat sich die Organisation mit „SaveUA Media“ zusammengetan. Es ist eine Organisation, die von Journalisten gegründet wurde, die durch den Krieg arbeitslos geworden sind. Ziel ist es, Flüchtlings-Kinder mit Geschenken zu überraschen, die sonst nichts bekommen würden. So schaffen sie es, auch in den schwierigen Zeiten wenigstens kurz ein Lächeln auf die Gesichter dieser Kinder zu zaubern.

Großer Zusammenhalt

„Dank karitativer Organisationen haben wir Essen und sogar einen festlich gedeckten Tisch“, sagt Olesya, die selbst eine Binnenvertriebene ist, für die das erste Weihnachten im Krieg besonders schwer ist. „In dieser für alle schwierigen Zeit haben wir uns in Odessa noch mehr zusammengeschlossen“, so Marat Abdullaev, Gründer der Organisation NEXT. „Wir helfen einander und teilen alles, was wir haben. Es ist sehr wichtig, dass Kinder das sehen. Sie sind unsere Zukunft und ich hoffe, dass sie das Gleiche tun werden, wenn sie erwachsen sind.“

Sergej Panashchuk
Sergej Panashchuk Bild: Nina Lyashonok

Kein Feuerwerk an Silvester

Und doch wird sich durch den Krieg beim Jahreswechsel etwas Gravierendes ändern: Es wird kein Feuerwerk geben. Eigentlich haben sie eine große Tradition für die Einwohner von Odessa, aber dieses Jahr haben die Menschen dort schon genug echte Explosionen gehört. Die lokalen Behörden haben die Bürger vor der Unzulässigkeit der Verwendung von Pyrotechnik sogar gewarnt.